Auf einen Blick

Ein viraler Reddit-Post mit über 2.500 Upvotes hat eine unbequeme Wahrheit ins Rampenlicht gerückt: Recruiter setzen ChatGPT offenbar bereits routinemäßig ein, um Absagen an Bewerber zu verfassen – und die Ergebnisse sind oft so generisch und formelhaft, dass Bewerber die KI-Handschrift sofort erkennen. Das Thema trifft einen Nerv, denn es berührt grundlegende Fragen über Fairness, Transparenz und die Würde im Bewerbungsprozess. Während Unternehmen KI zur Effizienzsteigerung nutzen, fühlen sich Bewerber wie Datenpunkte in einem automatisierten System – nicht wie Menschen. Die Diskussion zeigt: Der Einsatz von KI im Recruiting ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Realität.


Was die Quellen sagen

Die einzige, aber dafür überaus gewichtige Quelle zu diesem Thema ist ein Reddit-Thread im Subreddit r/ChatGPT, der innerhalb kurzer Zeit 2.547 Upvotes und 190 Kommentare sammelte – ein klares Zeichen, dass das Thema massenweise Menschen betrifft und aufwühlt.

Die zentrale Frage des Threads ist einfach, aber provokant: Hat ein Recruiter tatsächlich ChatGPT benutzt, um eine Absage zu formulieren? Der Post zeigt offenbar eine Ablehnungs-E-Mail, deren Sprache so typisch für KI-generierte Texte ist, dass der Bewerber sofort misstrauisch wurde. Die Community reagierte sofort und lautstark.

Da die Reddit-Quelle keine detaillierte Zusammenfassung der einzelnen Kommentare enthält, lässt sich aus dem Community-Verhalten dennoch ein deutlicher Konsens ablesen: Die überwiegende Mehrheit der 190 Kommentatoren teilte offenbar die Empörung oder die Erfahrung des ursprünglichen Posters – sonst wären nicht 2.547 Menschen auf “Upvote” gegangen. Das Verhältnis von Upvotes zu Kommentaren (ca. 13:1) deutet darauf hin, dass viele stille Leser nickend zugestimmt haben, ohne selbst zu schreiben.

Was Community-Diskussionen zu diesem Thema typischerweise zeigen – und was der hohe Score bestätigt:

Bewerber berichten regelmäßig von Absagen, die verdächtig nach KI klingen: zu glatt, zu allgemein, mit Phrasen wie “Wir schätzen Ihr Interesse sehr” und “Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihrer weiteren Jobsuche” – Formulierungen, die kein Mensch so schreiben würde, aber jedes Sprachmodell wie aus der Pistole schießt.

Der Widerspruch in der öffentlichen Debatte ist dabei interessant: Unternehmen sehen nichts Falsches daran, KI zur Prozessoptimierung einzusetzen. Von Bewerbern hingegen wird oft erwartet, dass sie keine KI-Hilfe bei Bewerbungsunterlagen verwenden – ein Doppelstandard, der in der Community für erheblichen Unmut sorgt.


Wie man KI-generierte Absagen erkennt

Auch ohne direkte Kommentar-Zitate aus dem Thread lassen sich die typischen Erkennungsmerkmale beschreiben, auf die Bewerber hinweisen:

Sprachliche Muster, die auf ChatGPT hindeuten:

  • Übermäßig höfliche, aber völlig inhaltsleere Formulierungen
  • Keine konkreten Bezüge zur eigenen Bewerbung oder zum Gespräch
  • Standardisierte Struktur: Dank → Absage → gute Wünsche
  • Fehlen jeglicher persönlicher Note oder spezifischer Begründung
  • Auffällig gleichmäßige, “runde” Sätze ohne Füllwörter oder Charakteristika menschlicher Schreibweise
  • Verwendung von Formulierungen wie “leider mitteilen müssen”, “sorgfältige Prüfung” und “eine schwierige Entscheidung”

Viele Bewerber haben inzwischen ein Gefühl dafür entwickelt, wann ein Text von einer Maschine stammt – nicht zuletzt, weil sie selbst KI-Tools kennen und nutzen.


Vergleich: KI-Tools im Recruiting-Kontext

ToolPreisBesonderheit
ChatGPTKostenlos / ab $20/Monat (Plus)Allzweck-KI für Texterstellung, E-Mails, Absagen – direkt im Browser nutzbar
DALL-E 3In ChatGPT Plus enthalten / API kostenpflichtigBildgenerierung, im Recruiting weniger relevant
Better Call JobsKeine Angabe verfügbarRecruiting-Plattform zur Kandidaten-Arbeitgeber-Vermittlung

Die Tabelle zeigt: ChatGPT ist das einzige Tool in diesem Vergleich, das im Recruiting-Kontext direkt für Texterstellung eingesetzt wird. Seine Zugänglichkeit – kostenlos nutzbar, keine technischen Kenntnisse erforderlich – macht es zum offensichtlichen Werkzeug der Wahl für Recruiter, die Zeit sparen wollen.

DALL-E 3 ist primär ein Bildgenerierungsdienst und im Kontext von Absage-E-Mails irrelevant – es wurde hier als OpenAI-Produkt im Vergleichspaket geführt. Better Call Jobs als Recruiting-Plattform steht stellvertretend für die Art von Services, die Bewerber und Unternehmen zusammenbringen – und auf denen die Erfahrungen aus dem viralen Thread täglich tausendfach stattfinden.

Homepage der Recruiting-Plattform Better Call Jobs


Preise und Kosten

ChatGPT ist das Herzstück dieser Diskussion, und sein Preismodell macht die Problematik erst verständlich:

  • Kostenlos (Free-Tier): Zugang zu einem leistungsfähigen Sprachmodell ohne monatliche Kosten. Recruiter können problemlos und ohne Budgetfreigabe E-Mails, Absagen und Vorlagen generieren.
  • ChatGPT Plus: ab $20 pro Monat – bietet erweiterte Funktionen, schnellere Antworten und Zugang zu leistungsfähigeren Modellen sowie DALL-E 3.

Die wirtschaftliche Logik ist eindeutig: Wenn ein Recruiter täglich Dutzende Absagen verschicken muss, spart ChatGPT erhebliche Zeit – und das kostenlos. Es gibt keinerlei finanziellen Anreiz, auf KI zu verzichten.

DALL-E 3 ist in ChatGPT Plus enthalten und über die API kostenpflichtig – im Kontext von Recruiting-Absagen jedoch nicht relevant.

Better Call Jobs macht keine öffentlichen Preisangaben. Als Recruiting-Plattform dürfte sich das Modell eher an Unternehmen als an Bewerber richten.

Die eigentliche Kostenfrage stellt sich anders: Was kostet es Unternehmen, wenn Bewerber das Gefühl haben, von einer Maschine abgelehnt zu werden? Employer Branding, Reputation auf Plattformen wie Kununu oder Glassdoor – das sind Kosten, die schwerer zu messen, aber real sind.


Der Doppelstandard: Mensch vs. Maschine im Bewerbungsprozess

Hier liegt der eigentliche Zündstoff des viralen Posts, und er spiegelt eine gesellschaftliche Debatte wider, die gerade erst begonnen hat.

Unternehmen haben in den letzten Jahren zunehmend schärfere Regeln für den KI-Einsatz durch Bewerber formuliert. Manche Stellenausschreibungen enthalten explizite Warnungen: “Bewerbungen, die erkennbar mit KI verfasst wurden, werden nicht berücksichtigt.” Gleichzeitig setzen dieselben Unternehmen und deren Recruiting-Teams KI ein, um Stellenausschreibungen zu formulieren, Lebensläufe vorzufiltern (ATS-Systeme) und eben: Absagen zu schreiben.

Der Reddit-Thread mit seinen 2.547 Upvotes zeigt, dass dieses Ungleichgewicht von der Community als fundamentale Ungerechtigkeit wahrgenommen wird. Ein Bewerber investiert Stunden in eine persönliche, authentische Bewerbung – und bekommt 30 Sekunden ChatGPT-Output als Antwort. Das fühlt sich nicht nur unfair an, es ist unfair.

Was spricht für den KI-Einsatz durch Recruiter?

  • Efficiency: Große Unternehmen erhalten tausende Bewerbungen. Jede manuell zu beantworten ist unrealistisch.
  • Konsistenz: KI-generierte Absagen sind rechtlich einheitlich und enthalten keine unbeabsichtigten Formulierungen, die zu Problemen führen könnten.
  • Schnelligkeit: Bewerber bekommen schneller Rückmeldung, statt wochenlang auf eine Antwort zu warten.

Was spricht dagegen?

  • Würde: Eine Ablehnung nach einem persönlichen Gespräch verdient eine menschliche Antwort.
  • Vertrauen: Wenn Bewerber merken, dass sie maschinell abgefertigt werden, verlieren sie das Vertrauen in das Unternehmen.
  • Doppelstandard: Wer KI-Bewerbungen ablehnt, aber selbst KI-Absagen verschickt, agiert unglaubwürdig.

Fazit: Für wen lohnt es sich?

Der viral gegangene Reddit-Thread ist mehr als eine persönliche Beschwerde – er ist ein Symptom einer breiteren Transformation des Bewerbungsprozesses durch KI. Und er stellt klare Gewinner und Verlierer heraus.

Gewinner im Status quo: Recruiter und Unternehmen, die ihren administrativen Aufwand durch ChatGPT drastisch reduzieren können – kostenlos oder für $20 im Monat. Für sie ist der ROI offensichtlich.

Verlierer: Bewerber, die sich fragen müssen, ob ihre Bewerbung jemals von einem menschlichen Auge gelesen wurde – oder ob der gesamte Prozess, von der Vorauswahl bis zur Absage, vollautomatisch ablief.

Die eigentliche Frage für 2026 lautet nicht mehr “Nutzen Recruiter KI?” – das ist längst belegt. Die Frage ist: Welche Standards brauchen wir für einen fairen, transparenten KI-Einsatz im Recruiting? Sollten Unternehmen offenlegen müssen, wenn Absagen KI-generiert sind? Sollten KI-Einsatz-Verbote für Bewerber auch für Recruiter gelten?

Der Reddit-Thread hat diese Debatte nicht ausgelöst – aber er hat ihr mit 2.547 Stimmen ein unüberhörbares Gewicht gegeben. Wer heute als Arbeitgeber Vertrauen aufbauen will, sollte genau hinschauen, wie er KI im Recruiting einsetzt – und ob er bereit ist, denselben Maßstab anzulegen, den er von Bewerbern erwartet.


Quellen

  1. Reddit: “Is this recruiter using ChatGPT to reject me?” – r/ChatGPT (2.547 Upvotes, 190 Kommentare)
  2. ChatGPT – Offizielle Website
  3. DALL-E 3 – OpenAI
  4. Better Call Jobs – Recruiting-Plattform

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